Konzepte von Gesundheit und Krankheit sind stark kulturell geprägt. Krankheitssymptome werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich beschrieben. Die in unserem Gesundheitssystem empfohlenen medizinischen Massnahmen oder Behandlungsmethoden können sich stark von jenen aus dem Herkunftsland bzw. der Herkunftskultur unterscheiden. Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit und letztlich für den Behandlungserfolg ist eine gute Verständigung zwischen der behandelnden Person und den Patient:innen.
Interkulturelles Dolmetschen hilft dabei, medizinische Probleme besser zu vermitteln und den Behandlungserfolg zu verbessern.
In einem zweijährigen Pilotprojekt des Amtes für Gesundheit und des Vereins für Menschenrechte in Liechtenstein (VMR) vom 1. Januar 2022 bis 31. Dezember 2023 wurde der Bedarf und Nutzen von interkulturellem Dolmetschen in Arztpraxen getestet. Das Projekt stützte sich auf Ergebnisse eines bereits erfolgreich durchgeführten Projekts im Kanton Graubünden.
Partner beim Pilotprojekt war die Vermittlungsagentur Arge Verdi. Mit Gutschein-Codes, die beim VMR bestellt werden, konnten bei ihr über ein Online-Formular die Dolmetschenden bestellt werden. Die Kosten während des Pilotprojekts wurden vom VMR und dem Amt für Gesundheit übernommen. Für die Arztpraxen entstanden keinen Kosten.
Die Entscheidung, ob interkulturelle Dolmetscher:innen bestellt werden, liegt bei der behandelnden Ärztin / beim behandelnden Arzt.
Arge Verdi gehört zur Non-Profit-Organisation Arge Integration Ostschweiz (Sitz St. Gallen), die seit 1965 tätig ist. Arge Integration bietet professionelle Dienstleistungen im Bereich Integration an. über 200 Dolmetschenden der Arge Verdi übersetzen in rund 70 Sprachen.
Seit März 2022 wurde das Projekt aufgrund der hohen Anzahl der Schutzsuchenden aus der Ukraine in Absprache mit dem Verein Flüchtlingshilfe auf die medizinische Versorgung von Flüchtenden ausgeweitet.
Das Pilotprojekt wurde 2023 für den IBK-Preis für Gesundheitsförderung und Prävention im Bereich Nachhaltigkeit nominiert.
Das Pilotprojekt Ende am 31. Dezember 2023. Nach einer Evaluation wurde das Angebot vom Amt für Gesundheit übernommen und in die Regelstrukturen überführt.
Für Fragen zum Angebot wenden Sie sich bitte an das Amt für Gesundheit (Frau Stefanie Lutterschmidt, stefanie.lutterschmidt@llv.li, +423 236